Betriebsrente Rechner

bAV vs. ETF-Sparplan — der ehrliche Vergleich

Die häufigste Frage in der Vorsorge-Beratung: bAV oder ETF-Sparplan? Beide haben Vor- und Nachteile, beide passen zu unterschiedlichen Lebenslagen. Hier der ehrliche Vergleich mit Beispielrechnungen für drei Einkommens-Szenarien.

Zum Rechner

Die strukturellen Unterschiede

bAV (Direktversicherung)ETF-Sparplan (privat)
Beitrag ausBrutto-GehaltNetto-Gehalt
Förderung AnsparSteuer + SV frei (bis Limits)keine
Verwaltungskosten1 – 2 % p. a. (Versicherer)0,1 – 0,3 % p. a. (TER)
Renditeerwartung1 – 3 % nach Kosten5 – 7 % langfristig
Auszahlungvoll steuer- und KV/PV-pflichtigTeilfreistellung (30 %), Abgeltungssteuer 25 % auf den Rest
Flexibilitätfest bis Renteneintrittjederzeit verfügbar
Insolvenz-SchutzVersicherer-Garantie + PSVSondervermögen, immer geschützt

Szenario A: Einsteiger, 30 Jahre, 35 000 € Brutto

Grenzsteuersatz heute: ~27 %. Steuersatz im Alter erwartet: ~15 %.

Beitrag 200 €/M. brutto, 30 Jahre Laufzeit, 3 % bAV / 6 % ETF (nach Kosten):

  • bAV: Netto-Aufwand 100 €/M., Endwert ~117 000 € brutto, Netto-Rente ~330 €/M., Verhältnis 2,2 ×
  • ETF (gleicher Netto-Aufwand 100 €/M.): Endwert ~100 000 €, monatliche Entnahme ~4 % = 333 €, davon Abgeltungssteuer auf Erträge → Netto ~310 €

Resultat: knappes Rennen. bAV minimal vorne wegen Steuer-Spread, aber ETF mit Liquidität als „weicher Vorteil“. Tendenz: bAV nur, wenn Arbeitgeber-Zuschuss vorhanden.

Szenario B: Mittelschicht, 45 Jahre, 60 000 € Brutto

Grenzsteuersatz heute: ~37 %. Steuersatz im Alter erwartet: ~20 %.

Beitrag 290 €/M. (= 4 % RV-BBG = max. SV-frei), 22 Jahre Laufzeit:

  • bAV: Netto-Aufwand 130 €/M., Endwert ~110 000 €, Netto-Rente ~360 €/M., Verhältnis 2,3 ×
  • ETF (Netto-Aufwand 130 €/M.): Endwert ~85 000 €, Netto-Entnahme ~265 €/M.

Resultat: bAV klar vorne dank großer Steuer-Spread. Tendenz: bAV bevorzugen, plus ETF als Liquiditätsreserve.

Szenario C: Spitzenverdiener, 35 Jahre, 100 000 € Brutto

Grenzsteuersatz heute: ~42 %. Steuersatz im Alter erwartet: ~28 % (großzügige Renteneinkünfte).

Beitrag 290 €/M. (max. SV-frei), 32 Jahre Laufzeit:

  • bAV: Netto-Aufwand 110 €/M., Endwert ~170 000 €, Netto-Rente ~480 €/M., Verhältnis 2,9 ×
  • ETF (Netto-Aufwand 110 €/M.): Endwert ~140 000 €, Netto-Entnahme ~430 €/M.

Resultat: bAV klar vorne, weil Steuer-Spread groß ist. ETF ist zusätzlich sinnvoll für die Beträge oberhalb der 4 %-RV-BBG-Grenze. Tendenz: bAV bis 290 €/M., danach in ETF wechseln.

Drei Faustregeln

  1. Bei niedrigem Grenzsteuersatz (< 25 %): ETF schlägt bAV fast immer.
  2. Bei mittlerem bis hohem Grenzsteuersatz (> 30 %) und moderater Rentenerwartung: bAV bis 4 % RV-BBG (= max. SV-Förderung) ausschöpfen.
  3. Beträge oberhalb 4 %-RV-BBG: ETF ist meistens besser, weil der zusätzliche bAV-Anteil keinen SV-Vorteil mehr hat und dafür im Alter voll KV/PV belastet wird.

Vorteile, die der Rechner nicht zeigt

Pro bAV

  • Insolvenzschutz für Vermögen während der Anspar (PSV)
  • Disziplin: kein Zugriff auf Geld vor Renteneintritt = kein „im Krise abräumen“
  • Arbeitgeber-Zuschuss (15 %) = bAV-Beschleuniger ohne Eigenleistung
  • Lebenslange Garantieleistung (versicherungsmathematische Absicherung)

Pro ETF

  • Volle Liquidität — Geld jederzeit verfügbar
  • Rendite-Potenzial deutlich höher (5 – 7 % vs. 1 – 3 %)
  • Vererbung einfacher (Depot-Übertrag vs. komplexes bAV-Erbe)
  • Keine Versicherungs-Provisionen, keine Abschluss-Kosten

Empfehlung: meist die Kombination

In der Praxis fahren die meisten Angestellten mit einer Kombination am besten: bAV bis 4 % RV-BBG ausschöpfen (= max. SV-Förderung, ggf. plus 15 % Arbeitgeber-Zuschuss), darüber hinaus in einen ETF-Sparplan (für Liquidität, höhere Rendite, Vererbungsoptionen).

Der Rechner hilft, die Schwelle für deine eigene Situation zu finden — spiel verschiedene Beiträge durch und vergleich das Ergebnis mit dem, was ein ETF-Sparplan bei gleichem Netto-Aufwand erreichen würde.